Ein Elternteil hat eine wahnsinnig enge Bindung an das Kind. In der Psychologie nennt man das symbiotische Eltern-Kind-Beziehung. Es gibt alle „Pärchenkonstellationen“: Die symbiotische Mutter-Sohn Beziehung, die Vater-Tochter Beziehung, aber auch die Vater-Sohn-Beziehung und die Mutter-Tochter-Beziehung. Diese ist sogar sehr häufig.

Wer ist anfällig?

Besonders anfällig für eine symbiotische Eltern-Kind-Beziehung sind alleinerziehende Elternteile. Das Kind wird sowohl emotional als auch organisatorisch unbewusst als Partnerersatz eingespannt. Das Kind wird zum emotionalen Anker, zur wichtigsten Bezugsperson.

Überbehütende Eltern sind eine weitere Gruppe die Gefahr läuft, sich in eine symbiotische Beziehung zu verstricken. Eltern fühlen sich nur sicher, wenn sie ständig mit eingebunden sind. Freiräume des Kindes werden beschnitten aus Angst, das Kind könnte sich verletzen oder an einer Aufgabe scheitern.

Auch Eltern mit eigenen ungelösten Themen sind gefährdet. Wenn das Kind beispielsweise als Quelle der Liebe dient, weil der betreffende Elternteil in seiner eigenen Kindheit vernachlässigt wurde oder emotionale Kälte erleben musste.

Bei Einzelkindern ist die Gefahr ebenfalls hoch, weil die Eltern-Kind Bindung automatisch exklusiv und enger wird.

Zu Beginn der Mutterschaft normal

Die Symbiose ist zu Beginn der Mutterschaft völlig normal, deshalb betrifft dieses Problem auch vielfach Mütter. Wenn das Kind drei bis vier Jahre alt ist, verpassen Mütter nicht selten die Ablösung. In der Folge festigt sich die symbiotische Beziehung mit Konsequenzen für die Entwicklung des Kindes (und oft auch mit Konsequenzen für die Paarbeziehung der Eltern). Nicht aufgelöst besteht diese Art der Bindung dann über Jahrzehnte. Aus den Kindern werden Erwachsene, die sich nicht von den Eltern lösen können und von den Anforderungen des Lebens überfordert sind.

Väter haben zunächst keine symbiotische Beziehung zum Baby. Sie können im Laufe der Zeit in die Symbiose rutschen, weil das Kind etwas kompensieren soll, mit dem der Vater (unbewusst) hadert. Beispielsweise, wenn der Sohn unerfüllte Träume des Vaters realisieren soll.

Symptome einer symbiotischen Eltern-Kind-Bindung

In der Symbiose fehlen klare emotionale und psychologische Trennlinien. Das Verhältnis zwischen Eltern und Kind ist quasi verschmolzen. Die Abgrenzung vom Kind gelingt nicht.

Hier einige Symptome die darauf hindeuten, dass Sie sich vielleicht in einer symbiotischen Beziehung zu ihrem Kind befinden könnten:

  • Gefühle und Bedürfnisse beider Personen sind stark miteinander verwoben. Eltern nehmen die Emotionen des Kindes wie ihre eigenen wahr.
  • Auch die Kinder nehmen die Emotionen des betroffenen Elternteils wie ihre eigenen wahr. Mit der Folge, dass sie sich verantwortlich fühlen, wenn es dem Elternteil schlecht geht. Die Stimmungen beider Personen sind voneinander abhängig.
  • Die Autonomie des Kindes ist eingeschränkt. Mütter kümmern sich beispielsweise um alles, auch wenn das „Kind“ fast volljährig ist. Das Kind entscheidet sehr wenig und denkt nicht unabhängig von den Eltern.
  • Entscheidungen werden oft über das Kind hinweg getroffen, auch wenn das Kind sie in seinem Alter selbst treffen könnte.
  • Eltern mischen sich stark ein bei Hobbys, Freundschaften und sogar dem Gefühlszustand des Kindes.
  • Vermischung der Rollen – z.B. das Kind als unbewusster Partnerersatz, wenn der betreffende Elternteil sich in einer unglücklichen Beziehung wähnt. Oder die Mutter als beste Freundin des Kindes (wenn sie vom Kind z. B. Trost erwartet, wie von einer Freundin).
  • Der betreffende Elternteil hält es kaum aus, wenn das Kind mal nicht verfügbar ist oder nichts von sich hören lässt. Es folgen Kontrollanrufe oder es wird das Handy getrackt.
  • Rettungsreflex – wenn das Kind strauchelt, übernimmt ein Elternteil sofort die Kontrolle (z. B. bei Terminen, Hausaufgaben, Referaten oder auch Konflikten). Das Kind wird vollkommen aus der Verantwortung genommen, bleibt in der Folge unselbständig.
  • Der betroffene Elternteil erlebt Abgrenzungsversuche des Kindes als Bedrohung und verhindert deshalb (unbewusst), dass sich das Kind loslösen kann und selbständiger wird. Die Versuche des Kindes, unabhängiger zu werden, werden mit Schuldgefühlen belegt: „Ohne dich schaffe ich das nicht!“. Das sorgt im Laufe der Zeit für Spannungen zwischen Elternteil und Kind.
  • Es wird oft in der „Wir-Sprache“ gesprochen: „Wir haben noch Hausaufgaben“ statt „Du hast noch Hausaufgaben“.
  • Spannungen in der Partnerschaft der Eltern, weil ein Elternteil fast seine gesamte Aufmerksamkeit und emotionale Energie dem Kind zukommen lässt. Der Partner fühlt sich wie das dritte Rad am Wagen. Seitensprünge werden wahrscheinlicher, da die Beziehung zum Partner strukturell geschwächt wird. Auch eine Trennung kann dann „plötzlich und ohne Grund“ vom Himmel fallen.
  • Die Probleme mit dem Kind werden von Jahr zu Jahr größer. Wenn das Kind 17 ist, erscheinen sie überwältigend und unlösbar. Eltern neigen zur Kapitulation und sitzen das Problem aus, bis das Kind (hoffentlich) das Haus verlässt.

Meine persönlichen Beobachtungen

In der Kundenbeziehung mit Eltern, die in Symbiose mit ihrem Kind verbunden sind, gibt es oft Schwierigkeiten. Hier einige Beobachtungen aus Kundenbeziehungen und Hausbesuchen der letzten 20 Jahre:

  • Kritisiere ich in einem Gespräch z. B. mit der Mutter das Kind, fühlt sich die Mutter angegriffen.
  • Der betreffende Elternteil kann Aussagen des Kindes nicht differenzieren und nicht in Frage stellen. Selbst wenn das Kind offen lügt, werde ich bezichtigt, die Unwahrheit zu sagen oder die Sache „missverständlich“ wiederzugeben.
  • Das Kind wird nicht altersgerecht behandelt sondern wie ein viel jüngeres Kind.
  • Das Kind wird vor allem beschützt, alles was das Kind tut wird entschuldigt. Vieles wird biografisch begründet.
  • Mütter sind oft Dienstleister für die Söhne und bringen z. B. ein Sandwich ins Zimmer, welches der Sohn per Whatsapp bei der Mutter bestellt hat.
  • Im Vergleich zu anderen Kundengruppen wurde ich übermäßig oft mit einem „Blackout“ während der Klassenarbeit konfrontiert.
  • Mit zunehmendem Alter gehen die Kinder unglaublich rau mit den Eltern um. Es herrscht ein Befehlston und ein Umgang, den sich die Eltern von niemanden anderes auch nur ansatzweise gefallen lassen würden. Die Eltern unternehmen aber nichts dagegen sondern nehmen es hin und entschuldigen das Verhalten mit der Pubertät, auch wenn es Jahre anhält und sich verfestigt hat.
  • Kinder sind unfassbar unselbständig. So konnte ein 17 jähriger Sohn keine Nespresso Maschine bedienen. (D. h. er hat seinen Eltern nie einen Kaffe gebracht. Die Eltern haben also nie gesagt: „Ach, bring mir doch bitte mal eine Tasse Kaffe“. Die Forderungskette ging immer andersherum). Oder die Tochter lässt sich trotz eigenem Auto vom Vater fahren, da die Parkplatzsuche so mühsam ist. Und der Vater macht das auch noch, denn es ist ihm zu gefährlich, wenn die Tochter selbst fährt.
  • Jugendliche kurz vor dem Abschluss haben keine Ziele oder vollkommen unrealistische Ziele. Wie 3-Jährige, die Astronaut werden wollen.
  • Die Mutter geht joggen, der Sohn muss mit.
  • Das Kind steht immer im Mittelpunkt, es kann sich nicht zurückhalten. In Gesprächen zwischen Erwachsenen fällt es ständig ins Wort, so dass ein vernünftiges Gespräch unmöglich wird.
  • Auffällig häufig findet man in diesen Familien zahllose Diagnosen wie ADHS, LRS, Dyskalkulie, Frühchen etc. die ständig als Entschuldigung dafür angeführt werden, warum das Kind nicht kann. Das soll nicht heißen, dass ich die Diagnosen nicht ernst nehme oder abtue. Aber bei einem Kind mit ADHS wird in der Regel etwas getan, um die Symptome zu reduzieren. Ab dann taugt die Diagnose nicht mehr als Universalentschuldigung.

Folgen für das Lernverhalten des Kindes und erwartbare Schulprobleme

Eine symbiotische Eltern-Kind Beziehung hemmt die Entwicklung genau der Fähigkeiten des Kindes, die für den Schulerfolg benötigt werden. Zu nennen sind hier insbesondere die Fähigkeit zur Selbststeuerung und die Entwicklung von Frustrationstoleranz.

Im Lernverhalten des Kindes zeigt sich dies durch:

  • Ständige Rückversicherung: „Ist das so richtig?“ – Arbeiten starten/enden nur mit elterlicher Bestätigung.
  • Hilfe-Abhängigkeit: Eltern erklären/strukturieren dauerhaft; alleine bricht der Prozess weg.
  • Fehlerangst & Perfektionismus: Aufgaben werden ewig überarbeitet oder gar nicht abgegeben.
  • Geringe Frustrationstoleranz: Bei Schwierigkeiten sofortiger Abbruch („Ich kann das nicht“).
  • Extrinsische Motivation: Lernen nur für Lob/Noten/Eltern – wenig Eigenantrieb, geringe Ausdauer.
  • Planungs- und Organisationsschwäche: Materialchaos, Deadlines übersehen, schlechte Zeiteinteilung.
  • Trennungs-/Leistungssituationsangst: Bauchweh vor Schule/Prüfungen, häufige Check-ins mit Eltern.
  • Soziale Vermeidung: Gruppenarbeit, Klassenfahrten, Referate werden gemieden.

Kurzfristige Folgen für das Kind

Werfen wir zuerst einen Blick auf die kurzfristigen Folgen. Denn die können sie jetzt Beobachten und daran ebenfalls erkennen, ob sie sich in einer symbiotischen Beziehung zum Kind befinden.

  • Der eigene Wille des Kindes verwischt: Das Kind trifft keine Entscheidung ohne die Eltern und ändert seine Meinung sofort, wenn die Eltern z. B. kritisch schauen.
  • Stimmung der Eltern und Stimmung des Kindes ändern sich im Gleichtakt. Eltern stehen beispielsweise gestresst auf, das Kind meldet Bauchweh und will heute nicht in die Schule
  • Das Kind behält seine Stimmung für sich: „Ich sage jetzt nicht, dass ich traurig bin, sonst weint Mama“.
  • Das Kind holt sich oft Rückversicherung, dass mit der Beziehung zu den Eltern alles in Ordnung ist.
  • Wenig Eigeninitiative beim Kind. Es wird nur nach Anweisung gehandelt, eigene Ideen werden nicht ausprobiert, machen sogar Angst. Ohne die Anleitung der Eltern wird nichts angefangen (z. B. Hausaufgaben)
  • Das Kind ist unselbständig, sowohl im Verhalten, als auch im Denken. Im Fach Mathematik fällt es beispielsweise unheimlich schwer, eigene Denkansätze einzubringen oder Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Das Kind ist es schlichtweg nicht gewohnt, etwas selbst zu machen.
  • Trennungen fallen schwer. Kind übernachtet selten bei Freunden, wegen Sorgen der Eltern
  • Das Kind hat Schwierigkeiten, sich in Gruppen einzufügen
  • Besitzansprüche des Kindes bei Freundschaften: „Mein bester Freund darf keinen anderen besten Freund haben!“.

Natürlich können die oben beschriebenen Verhaltensweisen eine Phase des Kindes sein, die vorüber geht. Aber wenn viele dieser Punkt über lange Zeit auftreten, dann steckt mehr dahinter. Und noch deutlicher ist die Lage, wenn Ihr Kind 14 Jahre oder älter ist.

Das Verhalten der Kinder pendelt oft zwischen überangepasst und rebellisch. So entwickelt ein braves Kind, welches keine eigenen Wünsche formuliert plötzlich Wut, wenn es um Themen wie Nähe oder Grenzen geht. Oder es entstehen schnell extreme Diskussionen über Kleinigkeiten. Das Kind schreit z. B. die Mutter an: „Du bestimmst immer!“.

Beobachten Sie Ihr Kind und beantworten Sie abends folgende Fragen:

  • Wie oft hat mein Kind heute meine Bestätigung benötigt, um mit etwas anzufangen?
  • Hat mein Kind heute eigene Wünsche benannt oder vor allem meine Erwartungen erfüllt?
  • Gab es körperliche Beschwerden vor Trennungssituationen oder Leistungssituationen?
  • Habe ich mein Kind heute „gebraucht“ um mich besser zu fühlen?

Langfristige Folgen für das Kind

Je länger die symbiotische Beziehung nicht erkannt wird, desto mehr stellen sich langfristige Folgen für das Kind ein, die im Kern seine Identität und den Selbstwert betreffen:

  • Kein klares Selbstbild – Entscheidungen werden nach den Erwartungen anderer ausgerichtet.
  • Falsches Selbst – Da das Kind sich stark nach den Erwartungen anderer richtet, nimmt es die eigenen Bedürfnisse nicht wahr. Das Kind lebt ein angepasstes Leben aber kein authentisches.
  • Der Selbstwert hängt an Bestätigung. Bleibt die Bestätigung aus oder es gibt sogar Kritik, bricht das Selbstwertgefühl weg.
  • Schwierigkeiten, Bedürfnisse zu äußern.
  • Kann nicht „Nein“ sagen. In der Folge hohes Risiko, dass man ausgenutzt wird.
  • Weiß nicht, was es möchte, aber kennt (erspürt) die Erwartungen der anderen.
  • Perfektionismus und Prokrastination (Aufschieberitis). Eigene, überhohe Ansprüche führen zum Aufschieben.
  • Fühlt sich als Imposer: Erfolge werden externen Faktoren zugeschrieben und nicht den eigenen Fähigkeiten.
  • Entscheidungen werde aufgeschoben. Der Auszug bei den Eltern, Berufswechsel oder Trennungen ziehen sich ewig hin.
  • Anfälligkeit für Ko-Abhängige Beziehungen, denn Nähe wird mit Verschmelzung verwechselt. Distanz löst Schuld oder Angst aus.
  • Partnerschaften mit hohem Dramaanteil, dennoch starkes Harmoniebedrüfnis. Fühlt sich Verantwortliche für die Gefühle des Partners.
  • Bei Konflikten werden Drittpersonen einbezogen, anstatt die Dinge direkt zu klären.
  • Hohes Risiko für Angsterkrankungen, Depression oder Burnout.
  • Oft finanzielle Abhängigkeit von den Eltern über lange Zeit.
  • Das Gefühlt, dass das Leben passiert, statt das man es selbst gestaltet.

Wie findet man aus der symbiotischen Beziehung heraus?

Eine symbiotische Beziehung aufzulösen erfolgt Schrittweise ohne die Nähe zu verlieren. Das Ziel ist eine sichere Bindung zum Kind und Autonomie des Kindes.

Die große Herausforderung liegt eine Stufe darunter. Die Eltern können sich nicht eingestehen, dass sie sich in einer symbiotischen Beziehung zum Kind befinden. Wie bei einem Suchtkranken, der tausend Gründe dafür findet, weshalb er nicht süchtig ist. Betroffene Eltern werden z. B. beim Lesen meiner Checkliste jeden Punkt entkräften und sagen: „ja, das trifft aber auch zu wenn…“ Dabei geht es nicht um einzelne, aufgezählte Punkte, sonder um das Gesamtbild. Wie viel von dem hier geschriebenen trifft insgesamt auf Ihre Situation zu?

Fragen Sie sich: Bin ich der Pilot meines Kindes oder der Coach? Sie sollten der Coach sein!

Vor allem wenn das Kind schon fast erwachsen ist und die Probleme sehr groß erscheinen: Gewinnen Sie zunächst Abstand! Am besten wäre ein Wochenende, alleine auf einer einsamen Berghütte ohne Handyempfang, ohne Bücher, ohne Ablenkung! Einfach nur sie selbst! Das ermöglicht eine Analyse der Familiensituation aus der Distanz. Und aus der Distanz erkennen sie nach einer Weile ganz intuitiv, wo es hakt. Beispielsweise: „Wie mein Kind mit mir umgeht, das geht eigentlich nicht“. Oder: „Bin ich bescheuert, dem Kind alles hinterherzutragen?“ Und schwups, im Grunde ist die Symbiose damit gelöst, da sie sich in diesem Moment abgrenzen und sich nach dieser Erkenntnis nun automatisch ganz anders dem Kind gegenüber verhalten werden. Und das Wichtigste: Sie werden intuitiv den richtigen Umgang mit dem Kind finden.

Die wenigsten werden die Berghütte aufsuchen, deshalb hier eine mögliche Vorgehensweise. Die folgenden Vorschläge sind nicht in Stein gemeißelt, der Plan ist eher als Ideengeber zu verstehen.

Schritt 1 – Autonomie aufbauen

  • Führen Sie zwei oder drei neue Regeln ein (für sich selbst und das Kind). Zum Beispiel:
    • Ab jetzt klopfen Sie an, wenn Sie in das Zimmer des Kindes gehen
    • Sie ziehen sich als Dauerhelfer zurück und sagen: „Du machst Deine Hausaufgaben alleine und heute Nachmittag besprechen wir sie gemeinsam für eine halbe Stunde“. Wenn das Kind die Hausaufgaben nicht macht, dann muss es dem Lehrer die Sache morgen selbst erklären. Natürlich wird es am nächsten Morgen Bauchschmerzen haben…
    • Sie erlauben es sich, dass das Kind mit unfertigen oder teilweise falschen Hausaufgaben in die Schule geht. Sie können das mit den Fachlehrern abstimmen und erklären, dass es um den Erwerb von Autonomie geht. Ein Pädagoge versteht das und wird das unterstützen! Selbst wenn die Noten dadurch erstmal schlechter werden, der Gewinn an Entwicklung ermöglicht später ein schnelles Aufholen. Natürlich muss man aufpassen, dass man keine schwerwiegenden Löcher reißt und das Kind in einem Fach abstürzt. Wie so oft, es ist eine Gradwanderung!
  • Legen Sie eine Pause von zwei Minuten ein, wenn Sie das starke Bedürfnis verspüren, helfend eingreifen zu wollen.
  • Übertragen Sie eine Aufgabe vollständig an das Kind. Z. B. an Termine denken, morgens Aufstehen etc.

Schritt 2 – Entscheidungen

  • Lassen Sie dem Kind täglich mindestens eine echte Wahl (Kleidung, Essen, Beginn der Hausaufgaben)
  • Erwachsenenthemen klären Sie in Zukunft vollkommen ohne Beteiligung des Kindes. Z. B. besprechen Sie eine Mail des Nachhilfelehrers, in der es um das Kind geht nicht mit dem Kind.
  • Sie führen eine Art Sprechstunde ein. Nur in dieser Zeit stehen sie zur Verfügung. In der Zeit dazwischen muss sich das Kind eben selbst ein Brötchen machen, wenn es zwischendurch Hunger bekommt. Oder es muss selbst seinen Rucksack suchen usw.
  • Das Kind klagt über Bauchschmerzen vor einer Klausur: Sie sagen: „ok, aber du gehst dennoch in die Schule!“

Schritt 3 – Soziales

  • Kind geht alleine zum Training / Musikunterricht etc. und das zunehmend öfter.
  • Übernachtung bei Freunden. Bei Jugendlichen: Wochenendtrip ohne Mama oder Papa. Und ohne ständige Kontrollanrufe / Nachrichten / Tracking.

Diese drei Schritte setzten an den Symptomen an und gehen nicht an die Ursache. So ist zu erwarten, dass betreffende Elternteile sich mit der Umsetzung dieser Schritte extrem schwer tun! Sowohl beim Schritt der Erkenntnis als auch bei der konkreten Lösung der symbiotischen Beziehung kann eine Psychotherapie für den betroffenen Elternteil eine große Hilfe sein.